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Max Bruch 1872: “Die Composition von Violinconcerten ist eine verflucht schwere Sache … “

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# Johannes Brahms/Max Bruch

# Künstler: Nishizaki/Fedotov/Slovak Philharmonic Orchestra

# Audio CD (2. Januar 2007)

# Label: Naxos (Naxos)

# ASIN: B000LAZFKE

Brahms (1833-1897) – Violinkonzert D-Dur op. 77 (1878)

Der junge Brahms unterrichtete Violine, Klavier und Komposition und musste sein Einkommen dennoch mit Klavierspiel in Theatern, Tanzsälen und selbst übel beleumdeten Etablissements aufbessern. Mit einem so unwürdigen Auftritt begann die Geschichte des Violinkonzerts, als der exilierte ungarische Geiger Eduard Reményi derart vom Spiel des jungen Mannes eingenommen war, dass er ihn als seinen Begleiter anstellte. So stellte er ihn auch Joachim vor. Brahms’ Kompositionen veranlassten Joachim, ihn Liszt und Schumann vorzustellen.

brahms_and_remenyi.jpg

Das erste Violinkonzert entstand 1878 für und unter Mitwirkung von Joseph Joachim, der selbst eine Kadenz beitrug. Die ungewöhnliche Form stieß bei der Uraufführung auf Unverständnis. Ein Kritiker schrieb nach der Uraufführung, es sei kein Konzert, sondern “eine Sinfonie mit obligater Geige”. Der Geiger Pablo de Sarasate soll zum Adagio gesagt haben, er denke nicht daran, mit der Geige in der Hand zuzuhören, wie die Oboe die einzige Melodie des Stückes blase. Dessen ungeachtet bleibt es das schönste Violinkonzert seit Beethoven – Musik für das ausdrucksstärkste Instrument, unglaublich lyrisch und leidenschaftlich und zugleich kraftvoll und formal hochkomplex.

Max Bruch (1838 – 1920) – Schottische Fantasie für Violine, Harfe und Orchester Es-Dur, op. 46 (1880)

Zu Unrecht im Schatten des von Anfang an beliebten “Allerweltskonzerts” in G-Moll stehend, belegt die Schottische Fantasie Bruchs Begeisterung für schottische Volksmusik. Harfe und Violine als Soloinstrumente folgen der Tradition der “Fiddler” und der keltischen Harfe. Das gesamte Material des Konzerts scheint, gleichsam im Atem von “Strophe und Refrain”, Volksmelodien aufzunehmen. Schon 1863 veröffentlichte Bruch Zwölf schottische Volkslieder für Singstimme und Klavier, ohne opus. Zwei davon “Auld Rob Morris” und “Scots Wa Hae” sind, neben “The Dusty Miller” und “I’m doon for Lack of Johnnie”, die vier bekannten Melodien aus der Fantasie, die Bruch der Sammlung von James Johnson “The Scot’s musical Museum” entnahm. Die Einleitung beruft sich auf eine Inspiration aus Walter Scott. Denn anders als Mendelsohns Kompositionen entstand Bruchs Fantasie in Berlin. Der Komponist hat möglicherweise nie eine echte schottische “Fiddel” oder die keltische Harfe gehört. Virtuosen schätzen vor allem die Wirksamkeit der solistischen Effekte beim Publikum, obwohl die teuflische technische Schwierigkeit alles in den Schatten stellt, was Bruch für Violine komponiert hat. Das Publikum liebt die atemberaubende Romantik, die Intimität und die unstrittige Brillianz des Konzerts.

scottland.jpg

Max Bruch schrieb 1872: “Die Composition von Violinconcerten ist eine verflucht schwere Sache … ”
Ähnlich dürfte schon mancher Virtuose
über deren Aufführung gedacht haben.
Selbst wenn es nicht schon Tragetaschen
voller Einspielungen dieser Werke geben
würde – was Maxim Fedotov und die
Slowakische Philharmonie aus den beiden
Konzerten herausholen, wäre auch ohne
Konkurrenz bemerkenswert. Die Musik
wirkt mit Bedacht und originell gestaltet.
Fedotov legt einen romantischen Parcours mit vibrato-freudigem, teils erotischem und teils
unerträglich herzzerreißendem Ton vor.

Written by huehueteotl

March 4, 2007 at 1:33 am

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