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Georges Batailles: Die Tränen des Eros.

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Georges Batailles: Die Tränen des Eros.

Matthes & Seitz Verlag München, 1981

Die Menschen sind diskontinuierliche Wesen (ein Abgrund trennt sie voneinander; jeder stirbt für sich allein: sein Tod betrifft nur ihn). Diese faktische Diskontinuität kann jedoch nicht die fundamentale Kontinuität des Seins unterdrücken: das diskontinuierliche menschliche Wesen lebt seine Diskontinuität bis zum Ende, aber in der Sehnsucht nach seiner fundamentalen Kontinuität.

Die Erotik der Herzen ist unter gewöhnlichen Bedingungen eine Verlängerung der Erotik der Körper. Die Möglichkeit einer Verschmelzung der Herzen enthüllt sich vor allem durch das Leiden, unter Verhältnissen, die sie schwierig, ja mitunter unmöglich machen; so ist die Faszination des Todes bis an den Rand des Mordes und des Selbstmordes bei der allerheftigsten Erotik , die die Herzen zerreißt, stets mit einbegriffen. Ein stilles Glück, bei dem ein Gefühl der Sicherheit dominiert, bedeutet bloß die Besänftigung des langen Leidens, das ihm vorausgegangen ist Der Egoismus zu zweit begründet normalerweise eine neue Form von Diskontinuität des Paares. Die Erotik der Herzen führt dennoch in ihrer Transparenz, jenseits der realen Einsamkeit und am Rande des Todes, ein wunderbares, vollkommen herzzerreißendes Bild von der begehrenswerten Kontinuität des Seins ein. Bei der Erotik der Körper findet eine Vergewaltigung des individuellen Wesens der Partner statt. Diese Vergewaltigung grenzt an den Tod, sie grenzt an den Mord. Das erotische Spiel setzt die Auflösung der für das diskontinuierliche Wesen konstitutiven Elemente, des in sich geschlossenen Wesens voraus. die Entblößung der verborgenen Kanäle beraubt die Partner ihrer isolierten Persönlichkeit, die Verschmelzung präludierend, die dem Hin und her der Wellen gleicht, die sich durchdringen und ineinander verlieren. Die fleischliche Vereinigung ist im Altertum als Analogon der Opferung aufgefasst worden, bei der der männliche Opferer zu einer Art Tötung, das heißt zur Entblößung des weiblichen Opfers schritt. Bei der gewöhnlichen Form der Erotik der Körper besteht das Spiel des männlichen Partners darin an dieser Aufgelöstheit des Opfers, die er bewirkt hat, teilzuhaben… Die Erotik der Körper leitet weder den endgültigen Bruch der Diskontinuität ein, der der individuelle Tod ist, noch die Augenblicke völliger – realer – Kontinuität, die die Fortpflanzung (Vermehrung) der diskontinuierlichen Wesen begründen, sondern sie führt die, die sich auf sie einlassen , in die Richtung des Todes, in eine Richtung, in der der Tod mit der im Spiel der Organe und Körper gegebenen Kontinuität verbunden ist.“

Written by huehueteotl

February 25, 2007 at 4:44 pm

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